Frauen am Drücker
 
Es ist kein Zufall, dass aus den exakt 50 Einsendungen für den 1. deutschsprachigen Krimi Hörbuch Preis "totenschmaus" drei Frauen Ines Eichelbaum, Regina Schleheck und Sandra Niermeyer als Preisträgerinnen hervorgegangen sind.
 
Schon seit geraumer Zeit hat sich im deutschen Sprachraum aber auch darüber hinaus abgezeichnet, dass Frauen immer stärker den Ton im Krimi-Genre angeben. Sowohl was Produktivität als auch was Qualität anbelangt.
 
Die Jury hat es sich bei der Ermittlung der Preisträgerinnen alles andere als leicht gemacht. Ausgewählt und beurteilt - auch was die Zusammenstellung der "totenschmaus"-Doppel-CD anbelangt - wurde nach mehreren Kriterien:
- Originalität des "plots" (also Thema und Handlungsfaden)
- Dramaturgie und Auflösung
- sprachliches Handwerk und erzählerisches Können sowie - nicht zuletzt -
- die Hörtauglichkeit der Geschichten.
 
Am überzeugendsten präsentierte sich schließlich "Spaghetti Bolognese" von Ines Eichelbaum. Eine atmosphärisch außerordentlich dichte, rasant geschriebene Story mit Liebe zu makabren Details und einer gehörigen Schlusspointe. Angesiedelt ist dieser Kurz-Krimi im Keller eines italienischen Restaurants, die Hauptfigur ist ein Fleischer namens Butcher Bob.  
 
Platz zwei handelt nicht vom Essen, hat aber mit dem Trinken, mit harten Getränken zu tun.
"Killerpitsch" von Regina Schleheck arbeitet von Beginn an mit starken Überraschungs-momenten und handelt von einem Mordfall, der ebenso ein Sexualverbrechen wie eine Rachetat sein könnte. Der Autorin gelingt es dabei auch in aller Kürze die Soziographie einer Kleinstadt zu entwerfen. Erzählt wird "Killerpitsch" übrigens aus der Perspektive eines Jugendlichen, eines Schülers.
 
Und mit einer kriminellen Rollenprosa, diesmal aus Kinderperspektive, haben wir es auch bei Platz Nummer drei zu tun: "Johnny" von Sandra Niermeyer ist ein sprachlich beeindruckendes und inhaltlich raffiniertes Verwirrspiel der Perspektiven und Wirklichkeiten, in dem kindliche Phantasie und Medienrealität eine unauflösbare Verbindung eingehen, und an dessen Ende zumindest ein Toter steht.
 
Die drei Preisgeschichten - das ist noch zu erwähnen - stammen nicht nur von Frauen, sie gehen auch über das traditionelle Krimi-Genre hinaus. Es sind neue Formen der Kriminalliteratur; keine klassischen "Who-dun-it"-Geschichten mit Kommissar oder Detektiv als Hauptfigur, sondern Geschichten über Verbrechen, über ihr Umfeld, ihre Wahrnehmung und ihre Erfindung.
Selbstverständlich hat es unter den Einsendungen auch zahlreiche "klassische Kurzkrimis" gegeben, also die mit den Fragen nach dem "Warum?", dem "Wie?" und am Ende dem "Wer?". Aber - und das könnte eine Erkenntnis aus diesem Kriminalliteraturwettbewerb sein - die "Klassiker" tun sich angesichts der langen Tradition und der Vielzahl von Vorbildern schwer ein inzwischen schon regelrecht standardisiertes Niveau zu halten. Mal hapert es am Plot, mal an der Auflösung, mal am sprachlichen Handwerk.
Ansonsten haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten einiges über Serienkiller, Zwillinge und vor allem über Giftmorde erfahren ...
 
Die Jury
Kristian Aune, Alexandra Brandstetter, Gerhard Moser, Volker Regenfelder, Monika Röth, Hans-Peter Vertacnik
 
Weitere Kurzkrimis auf dem totenschmaus(R) Hörbuch finden Sie hier...
 
FREITAG, DEN 13. NOVEMBER 2009, WERDEN DIE GEWINNER WÄHREND EINER MAKABEREN ZEHRUNG IN WELS AUSGEZEICHNET, UND DAS TOTENSCHMAUS HÖRBUCH VERÖFFENTLICHT. Karten für die Veranstaltung können Sie bereits reservieren.
 
Mit freundlicher Unterstützung der totenschmaus Sponsoren.
 
 
 
 
 
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